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Frei Anastácio Ribeiro unterstützt den Kampf für eine Agrarreform Als Landtagsabgeordneter des Nordost-Bundesstaates Paraíba ist er seit eineinhalb Jahren mit seinem Team aktiv für das Volk
João Pessoa/Brasilien – Frei Anastácio Ribeiro, Franziskanerpater, kennt die Probleme der Menschen des Nordost Bundesstaates Paraíba. Er hört aufmerksam zu, wenn der Landarbeiter Zé ihm seine Probleme in der Gemeinde Alhandra berichtet. Aber Frei Anastäcio ist nicht nur ein aufmerksamer Zuhörer in Gesprächen und Versammlungen, sondern versteht es vielmehr, Ungerechtigkeiten und Mißstände offen und mutig anzuprangern. Hierfür nimmt er sogar die Repressalien der Großgrundbesitzer und hiesigen Polizei in Kauf. 1986 wurde er von militanten Schergen des hiesigen Grossgrundbesitzers Sá Leitão und
der kollaborierenden Militär-Polizei entführt und nach Protesten der Landarbeiter wenig später wieder freigelassen. Ähnliches ereignete sich neun Jahre danach: Während einer Messe auf der Landbesetzung
Tabatinga, auf der 135 landlose Familien (“Sem-terras”) untergebracht waren, wurde Frei Anastácio am 27. November 1995 von der Zivil-Polizei festgenommen und für vier Tage ins Gefängnis
gesteckt. Wieder protestierten die Landarbeiter, der Bischof von João Pessoa Dom Marcelo und viele Freunde gegen diesen Gewaltakt. Schliesslich wurde Frei Anastácio wieder freigelassen und die
Verurteilung zu vier Jahren und zehn Monaten wegen ,,Bandenbildung, Kindesmißhandiung und Widerstand gegen die Justiz" vom 7. August 1996 wurde wenige Zeit später wieder aufgehoben.
Schliesslich entschloss sich der Franziskanerpater nicht nur die korrupten Politiker zu bekämpfen, sondern ,,Räume
in der Politik zu erobern”, wie er es selbst formuliert. Mit einem Team von engagierten und qualifizierten Mitarbeitern bestritt Anastácio eine erfolgreiche Wahlkampagne und wurde am 4. Oktober 1998 mit 13.508
Stimmen zum Landtagsabegordneten in die “Assembleia Legislativa” (Landtag des Bundesstaates Paraíba gewählt.
Seit dem Beginn des Mandates Anfang 1999 legt Anastácio großen Wert auf
eine Partizipation des VoIkes. In Paraíba ist das vor allem die auf dem Land arbeitende Bevölkerung; ist der Bundesstaat noch sehr agraisch geprägt:
1996 wohnten immerhin 26 Prozent der Bevölkerung Paraíbas auf dem Land und der Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt Paraibas betrug im
Jahr 1998 noch 9,1 % (SUDENE 1999). Es werden vor allem Reis, Bohnen, Früchte, Zuckerrohr und Mais angebaut Die Bevölkerung muß mit vielen Problemen kämpfen. Sind es nicht aussergewöhnliche Ereignisse, wie die
Dürre der Jahre 1997-99, so sind es Dinge des täglichen Bedarfes. Das Sozialsystem ist nach wie vor von Mißständen geprägt. Das Gesundheitssystem funktioniert nicht, die staatlichen Schulen sind von
schlechter Qualität und die Kindersteblichkeit ist hoch. Paraíba liegt auf der Skala des Sozialindexes der UNO, der diese Indikatoren berücksichtigt,
zwischen Ländern wie Indien (Platz 128 von insgesamt 174 Staaten), Simbabwe und Guinea (Human Development Index von Paraíba 1996: 0,557). Eine Landreform könnte viele dieser soziale Probleme lösen sagen
Experten. 70 % der 600 Mio. Hektar für Land- und Viehwirtschaft nutzbaren Flache Brasiliens ist in der Hand weniger Großgrundbesitzer. Anastácio und sein ,,Volksmandat” unterstützen Proteste und Formen einer Lösung, etwa wenn Jahre ungenutztes, brachliegendes Land, von Familien
wieder reaktiviert und genutzt wird. Großgrundbesitzer - die Land als Machtinstrument betrachten - sehen diese Form der Lösung als unlegitim an und erklären den Krieg. Zwischen
1970 und 1996 wurden in Paraíba mehr als 200 sogenannte Landkonflikte in 57 Gemeinden gezählt. Auf 10.000 ha Fläche wohnten 8.000 Familien,
insgesamt 40.000 Menschen. Motivation für diesen Kampf nehmen die Menschen von Persönlichkeiten wie Frei
Anastácio. Ein sogenanntes “Mandato Popular” heißt demnach vor allem Gespräche mit Landarbeitern, Müttern,
Gewerkschaftern und Lokalpolitikern zu führen, nicht zuletzt um informiert zu sein, sondern auch - wenn es
notwendig ist – um neu zu motivieren, für den Kampf gegen Korruption, Vetternwirtschaft, Oportunismus und schlußendlich einer gerechteren Verteilung des Landes.
Das Volk hört gerne zu, wenn Anastácio mit fester und fordernder Stimme für die Belange der Landarbeiter eintritt.
Mit seinem Team - es sind insgesamt elf Referenten für die verschiedensten Bereiche Soziales, Recht, Politik, Kommunikation, Sozialbewegung und Koordination tätig - realisiert Anastácio verschiedene Pojekte.
Ausschußvorsitzender belebte er den Ausschuß für Landentwicklung des Landtages, fordert die Einrichtung von Sisternen in der Trockenzone des Landes, organisiert Protestaktionen, beispielsweise die Besetzung der
Bundesbehörde für die Entwicklung der Nordostregion SUDENE im April, denunziert offen Korruption und Vetternwirtschaft und richtete sogenannte “Audiencias Populares” ein, der regelmäßige Austausch von Themen
und Problemen zwischen Volk und Politik.
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