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Centro de Direitos Humanos da Diocese de Nova Iguaçu (CDH)
Menschenrechtzentrum (MRZ) der Diözese Nova Iguaçu

Das MRZ ist tätig in der Sozialpastoral, auf dem Gebiet der Menschen- und Bürgerrechte. Die Arbeit wird verstanden als Dienst an den Ausgeschlossenen der Baixada Fluminense. Pe. Roy beschreibt kurz und prägnant Motivation und Ziel der Arbeit des MRZ:

”Wir versuchen mit vielen kleinen konkreten Aktionen die Lebenssituation der Menschen in den Ansiedlungen zu verbessern. Den Familien bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu helfen, das bedeutet, den Kindern Zukunft zu ermöglichen.”

(Pater Pierre T. Roy, Exekutivdirektor MRZ Nova Iguaçu)

Aufgaben und Ziele des Menschenrechtszentrums

Das Programm und die Aktivitäten des MRZ soll im folgenden kurz vorgestellt werden.

1. Strukturmaßnahmen

Hierbei geht es um den sozialen Beistand sowie um pädagogische und juristische Begleitung der über 35 Landbesetzungs-Gruppen, die gemeinsam den Kampf um Wohnraum, um die Einforderung von staatlichen Wohnungsbau-Programmen sowie um die Einforderung der Versorgung mit Strom, Wasser, Kanalisation, Strassen, Müllabfuhr und den Anschluss an das öffentliche Verkehrssystem durchführen. Über 5.000 Familien sind offiziell in der Associação dos Mutirões (Dachorganisation der Landbesetzung- und Nachbarschaftsgruppen) eingeschrieben. Das MRZ hilft ferner bei Problemen mit Behörden (Urkunden, Dokumente, Todesfälle etc.) und fördert ferner den Austausch mit anderen Gruppen und Volksbewegungen und hält ebenfalls Kontakt mit öffentlichen Stellen.

Hot Dog Wagen für den Strassenverkauf - hier ein Workshop für Kooperativenmitglieder von “Gostinho Bom”

2. Koordination von Projekten und Kleingenossenschaften

Das MRZ fördert, organisiert und koordiniert Kleingenossenschaften (Cooperativas) mit dem Ziel, wirtschaftliche Rechte zu fördern und zu garantieren, sowie zur Verbesserung der Einkommensverhältnisse der armen Familien beizutragen. Beipielsweise werden im Rahmen dieser Projekte Ausbildungskurse für Arbeitslose angeboten, die sich nach Absolvieren eines solchen Kurses besser auf dem Arbeitsmarkt integrieren können.

Es bestehen zwei Kleingenossenschaften unter Koordination des MRZ. Die Kunsthandwerksgenossenschaft (COOPART) organisiert in Zusammenarbeit mit SEBRAE (der staatlichen Behörde des Bundesstaates Rio de Janeiro zur Förderung der klein- und mittelständischen Betriebe) und dem Zentrum für Gemeinwesen (CEDAC) Kurse über den Aufbau von Gemeinschafts- und Genossenschaftswesen und bietet praktische und produktionsbegleitende Kurse an. COOPART ist entstanden aus einem Kunsthandwerks-Kurs der Volkshochschule des MRZ. Neben der Produktion von Kunsthandwerksgegenständen ist die Distribution und der Verkauf dieser Produkte Gegenstand der Arbeit der Cooperativa. Zusammen mit dem MRZ ist geplant, ein kleines Geschäft in der Nähe der Kathedrale im Zentrum der Innenstadt von Nova Iguaçu zu eröffnen.

Die zweite Cooperative ”Gostinho Bom” (Leckeres Essen) arbeitet im Bereich der Gastronomie und konnte u.a. durch Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) der deutschen Bundesregierung realisiert werden. Mit den in Brasilien sehr populären Hot-Dog-Imbisswagen wurden 60 Familien auf Kreditbasis ausgestattet. In diversen Kursen, bspw. über ”Sozialwirtschaft” oder ”Cooperativwesen” wurden die Familien vorbereitet, Hot-Dogs zu produzieren und auf der Strasse zu verkaufen. Das MRZ begleitet die Cooperative administrativ (Kredit, Verwaltung der Dokumente) sowie mit monatlichen Versammlungen der ”Cooperativados” (Mitglieder der Kleingenossenschaft).

3. Juristischer Beistand

Brasilien hat eine gute soziale Gesetzgebung, aber die Armen haben keinen Zugang zum Recht. Oftmals können sie sich einen Verteidiger nicht leisten, das Rechtsinstrument Prozesskostenhilfe gibt es nicht und Pflichtverteidiger fehlen. Nach Angaben der Rechtsanwaltskammer Brasilien fehlen im Bundesstaat Rio de Janeiro wenigstens 600 Pflichtverteidiger und von den 400 offiziell registrierten Pflichtverteidigern sind nur wenige wirklich aktiv, da der Lohn zu gering ist.

Das MRZ möchte bedürftigen Familien den Zugang zu ihrem Recht verschaffen. Hierbei geht es um den rechtlichen Beistand vor Gericht bei Zivil- und Verwaltungsverfahren für Einzelpersonen und vorzugsweise für Gruppen und bedürftige Familien. Pro Monat werden mehr als 120 Fälle in den Bereichen Familien-, Gefängnis-, Grundstücks- oder Wohnungsangelegenheiten behandelt. Ferner ist das MRZ Anlaufstelle bei der Anklage von Menschenrechtsverletzungen und leistet dabei sozial-juristische Hilfestellung.

4. Bildungsprogramme – die Volkshochschule ”Universidade Popular”

”Direito Alternativo” - Volkshochschulkurs zu Bürgerrechten hier im Garten des MRZ

Im Rahmen der Volkshochschule (Universidade Popular) werden im sozial-politischen Bereich Kurse zum besseren Einfordern der grundlegenden Rechte gegenüber dem Staat angeboten. Beispielsweise im Juli 2000 der Kurs Alternativrecht, in dem die Rechte verschiedenster Gruppen (Frauen, Kinder, Schwarze) angesprochen werden.

Ferner bietet das MRZ im Bereich der Volkshochschule den Kurs ”Kunsthandwerk” an und organisiert Vorträge, öffentliche Veranstaltungen und Kurse zu Menschen- und Bürgerrecheten (Bewusstseinsbildung) in Schulen, Kirchen, Gemeinden, Vereinen und anderen Gruppen, bspw. ”Menschenrechtszentrum diskutiert Wahlen 98”, ”Landlose diskutieren Massaker von Carajás”, Protestmarsch ”Aktion für das Leben” und ”Prozession der Armen” (Caminhada do Sem).

5. Zeugenschutz

Verstärkt wird der sogenannte ”Schutz von Zeugen und bedrohten Familien” in Anspruch genommen. Unter Federführung des MRZ finanziert die bundesstaatliche Polizeibehörde von Rio de Janeiro die wirtschaftliche und juristische Unterstützung von Personen und Familien, deren Leben bedroht ist, weil sie in Prozessen und Gewaltsituationen verwickelt sind, oder weil sie als Zeugen von Morden keinen ausreichenden Schutz durch öffentliche Stellen erhalten.

6. Koodination von NGOs im Bereich der Menschenrechte

Das MRZ ist Mitglied im nationalen Menschenrechtsverband Movimento Nacional de Direitos Humanos (MNDH). Die Koordination für die Region der Bundesstaaten Rio de Janeiro und Espirito Santo liegt in der Hand des Regionalbeauftragenten Pe. Roy, der ebenfalls Nationalbeauftragter für die Internationalen Beziehungen des MNDH ist.

Jahreskongress des MNDH im März 2002 in Nova Iguaçu

Ferner bietet das MRZ dem Fórum Popular Permanente de Defesa da
Criança e Adolescente – einem Zusammenschluss aller nichtgovernementalen und governementalen Organisationen, die auf Gemeindeebene im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit arbeiten, Infrastruktur an (Raum, Kopierer, Büro etc.).

7. Public Relations im Bereich der Menschenrechte

Das MRZ ist Herausgeber des vierseitigen Informationsblattes ”Direitos Humanos”, das monatlich erscheint und v. a. über regionale Entwicklungen im Bereich der Bürger- und Menschenrechte berichtet, sowie die neusten Termine des MRZ und von anderen Menschenrechtsorganisationen publiziert. Ferner verbreitet das MRZ im Bereich der Public Relations Poster und Handzettel zu diversen regionalen und nationalen Veranstaltungen. Neben dieser Arbeit wurde während meines Praktikums eine Homepage entwickelt, die über Aktivitäten des MRZ informieren soll und die Kommunikation der Menschenrechts-NGOs verbessern soll, bspw. durch die einfache Aquise von Informationen über die jeweile NGO im Netz oder durch den Austausch von Informationen via Email (cdh.ni@ig.com.br).

8. Räumlichkeiten für Gruppen

 Das MRZ bietet Räumlichkeiten mit einer guten Infrastruktur für Veranstaltungen, Seminare, Messen und diversen anderen Gruppenaktivitäten an. Es sind ein Auditorium, ein Speisesaal, eine Grossküche, eine Kapelle, Gruppenräume sowie Schlafgelegenheiten für bis zu 50 Personen vorhanden. Diese Räumlichkeiten werden vor allem von Gruppen der Diözese Nova Iguaçu (Jugendpastoral, Gruppe der Verheirateten, Katechese etc.) aber auch von Parteien des linken Spektrums genutzt.

Centro de Direitos Humanos
da Diocese de Nova Iguaçu

Rua Antônio Wilman, 230
- Bairro Moquetá-

26215-020 Nova Iguaçu-RJ
BRASILIEN

Tel.:

+55 21 2768 3822

Fax:

+55 21 2767 1572

eMail:

cdh.ni@ig.com.br

Untergebracht ist die MRZ in der Nähe des Rathauses von Nova Iguaçu hinter dem Stadtfriedhof

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